26. September 2015

26. September 2015

26. September 2015

Hallo ihr Lieben,

ihr habt euch bestimmt schon gefragt, warum es hier seit einiger Zeit so still ist, und das,      obwohl wir euch doch sogar anlässlich des Weltkatzentages eine Beitragsreihe angekündigt   hatten... Seit einigen Wochen erhalten wir auch immer wieder Nachrichten, in denen ihr euch  erkundigt, ob es uns denn gut geht und dass doch hoffentlich nichts passiert ist!? ... Wow,   damit haben wir echt nicht gerechnet…

 

Das ist unglaublich lieb von euch! Ihr seid einfach großartig! DANKE! :)

 

Wir hoffen, ihr verzeiht uns, dass wir euch so lange auf die Fortsetzung haben warten lassen, aber leider ist wenige Tage nach unserer Ankündigung tatsächlich etwas „passiert“. :(

 

Unser Mogli begann am Freitag nach dem Weltkatzentag ungewöhnlich zu Speicheln, erst kaum merklich, am nächsten Tag schon deutlich mehr. Wir beobachteten und „untersuchten“ ihn, forschten nach der Ursache, aber ansonsten schien alles in Ordnung zu sein, auch beim Fressen, Putzen etc. gab es nichts Auffälliges. Das änderte sich allerdings recht schnell. Sonntagabend lief bzw. hing ihm schon der schleimige Sabber in Fäden runter. Wir wischten ihm laufend sein Schäutzchen, er roch ganz schlimm aus dem Maul, bewegte die Zunge, als wolle er etwas aus dem Weg räumen und beim Fressen hatte er nun auch sichtlich Beschwerden. Er legte den Kopf schief, machte das Maul weiter auf als sonst und biss vorsichtig auf nur einer Seite. Natürlich versuchten wir ihm in Mund und Rachen zu schaun, was er allerdings wie immer sehr widerwillig, nur ein kleines Stück und auch nicht sehr lange zuließ.

 

Dazu müssen wir sagen, unser Dicker hatte im Mai dieses Jahres seinen 14. Geburtstag, für sein Alter ist er immer noch sehr fit und er hatte auch gesundheitlich noch keine weiteren Probleme. Wirklich dick, wie man vielleicht wegen seines Spitznamens vermuten könnte, ist er nicht. Gut, vielleicht ist er nicht der Schlankeste, er hat aber einfach schon von Grund auf einen größeren und stämmigeren Körperbau als der Rest der Bande. :) Seit ca. 3 Jahren bekommen unsere Tiger rohes Fleisch, Trockenfutter dient eigentlich nur noch als Leckerli. Mogli macht da allerdings eine Ausnahme, er ist gewissermaßen Halbtagscarnivor und besteht auf seine Ration Trofu-Katzenspielplatzbeute ;) In seinem Alter wollten wir ihm sein Lieblingsessen auch nicht mehr gänzlich wegnehmen, waren aber auch froh, dass u.a. seine Zähne bisher noch keinen Schaden ge-  nommen hatten. Aber irgendwann ist es wohl einfach soweit, dachten wir, deshalb waren wir uns sicher, es sind die Zähne.

 

Also am Montagmorgen bei einem Tierarzt in der Nähe angerufen (unsere Haustierärztin war im Urlaub), zu unserer Erleichterung durfte Bernhard mit dem Dicken gleich vorbeikommen. Die    Diagnose war dann aber leider eine ganz andere – Tumor am Zungengrund, noch dazu schon sehr groß. Ihr könnt euch vermutlich vorstellen, wie es uns ging…

 

Der TA meinte, man könnte versuchen, den Tumor operativ zu entfernen, müsse allerdings     sehen, wie weit er sich schon ausgebreitet hat, womöglich hätten wir mit Mogli noch ein halbes Jahr oder mehr, vielleicht aber auch nur Wochen oder gar weniger, man weiß es eben einfach nicht. Am Donnerstag wollte auch er in den Urlaub, eine Ärztin wäre jedoch in dieser Zeit in der Praxis anwesend.

 

Die Entscheidung war schnell getroffen, es war einfach ein Bauchgefühl, wir waren uns aber auch sofort einig. Dem Großen ging es bis zwei Tage zuvor noch richtig gut, Schmerzen schien er bis dahin nicht gehabt zu haben und die Röntgenaufnahmen zeigten keine Metastasen in den Organen. Also sollte dieses Ding erst mal möglichst bald und möglichst gleich ganz raus.

 

Wir sind unendlich dankbar, dass der TA unseren Großen gleich am nächsten Tag operierte. Der Kieferknochen und die Zunge waren noch nicht betroffen, aber der Tumor ging tiefer als ver- mutet, es war alles sehr grenzwertig. Das entnommene Gewebe wurde ins Labor geschickt und Mogli musste noch dort bleiben. Die OP hatte er soweit zwar gut überstanden, aber er musste erst noch über eine Sonde ernährt werden. Man wollte sicher gehen, dass die Zunge funktionstüchtig war, er Schlucken und selbstständig fressen konnte. Der Dicke freute sich über unsere täglichen Besuche und war immer ganz aufgeregt. Die ersten Schlabberversuche waren vielversprechend, auch die folgenden Versuche mit kleinen Stückchen. Die Zunge kippte zwar immer wieder zur Seite, aber das sollte sich hoffentlich noch geben.

 

Am vierten Tag konnten wir Mogli wieder nach Hause holen. Die OP hatte ihm allerdings dennoch enorm zu schaffen gemacht. Es war eben keine Kleinigkeit. Das alles hatte ihm körperlich und psychisch sehr zugesetzt. Wir taten alles uns Mögliche, um ihn wieder aufzupäppeln. Eine     Woche nach der OP war dann der sehnlich erwartete Laborbefund da. Wir rechneten mit dem Schlimmsten, über 85 % der Tumore am Zungengrund sind wohl bösartig. Deshalb konnten wir es kaum glauben, der Befund war gutartig! Mogli hatte ein Felines Sarkoid. Und dem Laborbericht nach, wurde tatsächlich alles entfernt. :) Wir waren überglücklich, uns aber auch bewusst, dass dies trotzallem keine sichere Heilung versprach.

 

Über Sarkoide gibt es im Internet sehr viel zu lesen, natürlich auch Erfahrungs- und Laienberichte, aber in erster Linie interessierten uns nichtkommerzielle, medizinische Informationsseiten und wissenschaftliche Studien über mögliche Ursachen, verschiedene Formen, unterschiedliche Entwicklungen, über Rezidive und Therapien, allerdings findet man nur sehr wenig über das Feline Sarkoid, da es bei Katzen eher selten vorkommt. Im Grunde kann man – egal, ob bei Mensch oder Tier - nicht sagen, ob, wann oder in welcher Form es vielleicht wieder kommt, aber fürs Erste gehört unser Großer zu den knapp 15 %, bei denen ein Zungengrundtumor gutartig ist. :)

 

Zwischenzeitlich hat Mogli sich weitestgehend erholt, ist fast wieder der Alte, seine Zunge hat er auch unter Kontrolle. :) Allerdings ist er jetzt noch wählerischer, was das Fressen angeht, was uns vor neue Herausforderungen stellt – vor allem was das Verabreichen von Medikamenten und Präparaten betrifft. Aber dem stellen wir uns gern. Wir hatten das Glück, in der Urlaubszeit einen überaus netten und fürsorglichen Tierarzt zu „finden“, der uns sofort annahm, den Tumor gleich entdeckte, überhaupt die Chance einer OP sah, derartige Operationen zudem selbst durchführt, allem Anschein nach, ein hervorragender Chirurg ist und offensichtlich genau weiß, was er tut. Jeder einzelne Punkt ist nicht selbstverständlich. Dieses Glück wollen wir nicht umsonst gehabt haben.

 

Die gemeinsame Zeit mit Mogli und unseren anderen vier Seniorenmiezen (alle 13-16 Jahre alt), erleben und genießen wir jetzt noch intensiver. Es wird einem bewusst, wie alt sie tatsächlich schon sind und dass es eben mal verdammt schnell gehen kann. Das fortgeschrittene Alter sieht man Katzen im Allgemeinen einfach nicht an, zudem sie von Natur aus wahre Meister darin sind, Krankheiten und Schmerzen möglichst lange zu verbergen. Deshalb haben wir uns in den letzten Wochen noch eingehender mit den bei Katzen häufig im Alter auftretenden Beschwerden und Krankheiten sowie mit den (naturheilkundlichen, alternativ-) medizinischen Möglichkeiten der Vorsorge und Behandlung, insbesondere zur Stärkung des Immunsystems, befasst. Schließlich möchten wir, dass es unseren Fellnasen noch lange gut geht, dass die Zeit, die sie noch haben, für sie so schön wie möglich wird und vor allem wirklich lebenswert ist. Wir hoffen dadurch auch irgendwann die Grenzen des Machbaren und Sinnvollen rechtzeitig zu erkennen und ihnen somit unnötiges Leid zu ersparen.

 

Oje, nun ist es schon wieder so ein langer Text geworden. Seid ihr noch da? ;) Eigentlich hatten wir gar nicht vor, sooo ausführlich zu berichten, das hat sich nun wieder einfach beim Schreiben ergeben… :)

 

Da aber auch bei Katzen immer häufiger Tumore diagnostiziert werden und die meisten von euch ja vermutlich Katzenmitbewohner sind, haben wir uns gedacht, könnte unsere Geschichte doch von großem Interesse für euch sein. Wird bei der geliebten Katze ein Tumor festgestellt, bricht erst mal eine Welt zusammen. Deshalb wollen wir denen unter euch, die in einer ähnlichen      Situation sind oder in eine derartige kommen, Mut machen. Es muss nicht immer gleich einen schnellen Abschied bedeuten, nach dem, was wir in Erfahrung gebracht haben, selbst dann nicht, wenn der Tumor bösartig ist. Wir können euch nur raten - ob Tumor oder eine andere Erkrankung - setzt euch mit der Diagnose auseinander, macht euch schlau, über das, was da   medizinisch vor sich geht, welche Möglichkeiten es gibt, eurem Liebling das Leben angenehm und lebenswert zu machen und ihn nicht unnötig leiden zu lassen.

 

Gerne teilen wir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse mit euch, deshalb schreibt uns, wenn ihr euch austauschen oder mehr von uns zu derartigen Themen hier lesen möchtet.

 

Aber bevor wir uns weiteren Beitragsreihen widmen, folgt jetzt endlich die Fortsetzung unserer Reihe anlässlich des Weltkatzentages. ;)

 

Ihr musstet nun lange genug warten. Wir wissen es wirklich zu schätzen, dass ihr so geduldig, verständnisvoll und uns nach wie vor treu seid. Wenn ihr euch wie wir, ein Leben ohne Katze nicht mehr vorstellen könnt und Facebook auch nicht unbedingt zu eurem Alltag gehört, könnt ihr es vermutlich sehr gut nachempfinden, dass unser Mogli in den vergangenen Wochen an   erster und Facebook eher an letzter Stelle stand. Zumal wir mysecretcat ja neben unseren Hauptberufen, sozusagen als Hobby, betreiben. :)

Wir lassen nun aber wieder öfter von uns hören!


Viele liebe Grüße und bis bald ! ;)

Euer mysecretcat-Team
Iris und Bernhard

 

P.S.: Da Iris beim ersten Tierarztbesuch nicht dabei war, hat Bernhard den Tumor fotografiert. Wir waren schockiert, dass wir den riesen Batzen nicht bemerkt hatten. Man kann nicht sagen, wie schnell der Tumor gewachsen ist. Mag sein, dass wir ihn nicht bemerkten, weil er lange Zeit einfach genug Platz im Mundboden hatte. So gut zum Vorschein, wie auf dem Foto, kam er     eigentlich auch erst, wenn man von unten dagegen, ihn also nach oben drückte. Trotzdem   fragten wir uns, ob wir den Tumor nicht doch eher entdeckt hätten, wenn wir Mogli häufiger in den Mund geschaut hätten, er mehr daran gewöhnt gewesen wäre und wir vermutlich aus-   giebiger hätten nachsehen können …. Man sollte sich natürlich nicht verrückt machen, aber wie oft macht ihr das, bei euren Lieben? Wie oft ist „normal“?

 

 

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